Gottes geliebte Stadt

Monatliches Allianzgebet für Juni 2017

So spricht der Herr, der allmächtige Gott Israels, zu allen Verbannten, die er von Jerusalem nach Babylonien wegführen ließ: Baut euch Häuser und wohnt darin! Legt Gärten an und ernährt euch von ihren Früchten! Heiratet und zeugt Kinder! Wählt für eure Söhne Frauen aus, und lasst eure Töchter heiraten, damit auch sie Kinder zur Welt bringen. Euer Volk soll wachsen und nicht kleiner werden. Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch wegführen ließ, und betet für sie. Wenn es ihr gut geht, wird es auch euch gut gehen.

Jeremia 29, 4-7

Die Urchristenheit gründete ihre Gemeinden durchweg in Städten, die strategisch und machtpolitisch wichtig waren (wie Antiochien und Rom) oder kulturell-wirtschaftlich einflussreich (wie Ephesus und Korinth). Diese Städte wurden zu Knotenpunkten der rasanten Ausbreitung des jungen christlichen Glaubens. Die historischen Zentren von Erweckung und Erneuerung der Kirche waren bei uns überwiegend ländlich (z.B. Erzgebirge, Schwaben). Das prägt uns, teils unbewusst, bis heute – und es begrenzt zugleich unsere Glaubensphantasie und Gebetskühnheit. Haben wir unsere deutschen Großstädte als Orte geistlicher Erneuerung aufgegeben?

Keine Frage, in den großen Städten „spielt die Musik“, seit biblischen Zeiten. Trends und Denkweisen werden hier geprägt. In München, Frankfurt, Köln, Berlin oder Hamburg sitzen die meisten Zentralen, die Medien und Meinungen, Geldmarkt und Gesetze, Kultur und Kaufverhalten der Nation bestimmen. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Millionenstädten, aber auch 50 von 82 Millionen Deutschen wohnen in Groß- und Mittelstädten.

Manche Gläubige beklagen den „gottlosen“ Ein uss städtischer Kultur. Aber sind die Städte nicht noch viel mehr eine Chance? Bestärkt werden wir im Gebet und der Hoffnung durch einen globalen Trend: Seit gut zehn Jahren vernetzen sich Christen und Kirchen in immer mehr Großstädten auf allen Kontinenten und suchen gemeinsam „das Beste der Stadt“. Ohne irgendeine menschliche Planung tut der Heilige Geist überall Ähnliches. Die Stadtbewegungen fokussieren sich in aller Regel auf dieselben drei Ziele: Einheit der Christen, veränderndes Gebet und Transformation der Gesellschaft. Inzwischen vernetzen sich auch die Stadtbewegungen international auf Basis der Lausanner Bewegung. Im Oktober 2016 gab es eine erste Konferenz dieser Art in New York mit 3.000 Frauen und Männern aus allen Generationen, Kulturen und Berufen. 32 Deutsche waren dabei.

Offenbar hatte Gott von Anfang an Städte besonders auf dem Herzen. Aber liebt er denn Städte mehr als Dörfer? Die Antwort ist einfach: Gott liebt Städte, weil er Menschen liebt; und Städte sind voll von Menschen, die ihn oft nicht einmal kennen. Weil die Stadt eine besondere Größe, Dichte und Vielfalt von Menschen aufweist, ist sie speziell in Gottes Fokus. Nachweislich waren die Provinzhauptstädte für die Mission des Paulus die strategischen Ausgangspunkte. In der Offenbarung sind die Sendschreiben adressiert an sieben Stadt-Gemeinden. Schließlich stellt uns die Bibel nach der finalen Auseinandersetzung mit Babylon eine herrliche Zukunft vor Augen: das himmlische Jerusalem als endgültige Heimat – und zwar auf der „neuen Erde“!

Bei diesem biblischen Befund und den heutigen Herausforderungen und Chancen – können wir uns da vom Gebet für unsere Städte einfach verabschieden? Das wäre eine Verweigerung des Missionsauftrages von Jesus. Von daher brauchen wir in unseren Herzen und Köpfen, in unseren Gemeinden und Gebetsgruppen nichts weniger als eine bewusste Hinwendung zu Gottes geliebter Stadt.

Da können wir viel vom Propheten Jeremia lernen, der sein im heidnischen Exil lebendes Volk im Namen Gottes auffordert: Kapselt euch nicht ab, sondern integriert euch in eure gottfeindliche Umgebung! Und zwar ohne dabei eure Glaubens-Identität zu verlieren! Häuser bauen, Kinder zeugen, also auf Dauer einrichten sollen sie sich, ja sogar mitmischen und für das Wohl der völlig andersgläubigen Stadt sorgen – und für sie beten! Denn wenn es der Stadt gut geht, geht es euch gut, sagt Gott. Eine erstaunlich moderne, „missionale“ Haltung, die Gott seinem Volk empfiehlt. Davon lernen heißt in unseren Städten: keine separate Subkultur, sondern eine selbstbewusste Beteiligungskultur dürfen und können wir leben!

Ideen zur Gestaltung

Praktische und anregende Beispiele finden sich auf den Internetseiten von Gemeinsam für Berlin (www.gemeinsam-fuer-berlin.de), auch was das Gebet für die Stadt betrifft (www.gebet-fuer-berlin.de), ebenso bei www.gemeinsam-fuer-hamburg.de; aber auch auf den Internetseiten örtlichen Allianz, wie z.B. München http://www.ea-muenchen.de/startseite/, Frankfurt http://www.ev-allianz-frankfurt.de/index.php?id=4, Berlin https://www.evangelische-allianz-berlin.de/netzwerk oder Stuttgart http://www.ea-stuttgart.de/. Weitere Orte finden sich hier http://www.ead.de/ortsallianzen/uebersicht.html.

Sehr anregende Modelle, auch in Videos, sind auf Englisch hier zu finden: www.movementday.com
www.movementday.uk

Für den Start einer Initiative (Gebet, Vernetzung, Mission, Diakonie) in der eigenen Stadt empfehlen wir die folgenden einfachen Fragen:

1. Wo ist Gott schon am Werk und wie können wir das gemeinsam fördern? 
2. Was tun andere schon und wir können uns einklinken?
3. Wofür wollen wir gemeinsam anfangen zu beten? 
4. Was können wir nur gemeinsam tun?

Wir danken

1.

für die großen Chancen, die unsere Städte bieten, das Evangelium mit Tat und Wort vielen Menschen zu bezeugen

2.

„für die Evangelischen Allianzen der Großstädte, Stadtnetzwerke, Stadtmissionen, neue junge und alte erneuerte Gemeinden

3.

„dass Gott die Stadt und ihre bunte Bevölkerung trotz so viel Gottvergessenheit liebt und zur Versöhnung mit ihm einlädt

4.

„für die Chancen, die vielen Migranten in Städten (und Dörfern) mit der Liebe Gottes zu erreichen

Wir bitten um Buße

1.

für Kleinglauben und Gebetsmüdigkeit im Blick auf die Mission in der Stadt

2.

„für den ängstlichen Rückzug von uns Christen aus der Stadt-Öffentlichkeit

Wir bitten

1.

dass die Not der vielen ethnischen und kulturellen Gruppen und Milieus ohne Gott wieder in den Blick der Christen und Gemeinden gerät

2.

„um neue Modelle und Initiativen, die Glauben, Hoffnung und Liebe für Großstädter überzeugend leben

3.

„für einen frischen Aufbruch zum Gebet in unseren Städten

    Axel Nehlsen, Pfarrer i. R., Berlin; Mitgründer und bis Sommer 2016 hauptamtlicher Geschäftsführer des christlichen Stadtnetzwerks Gemeinsam für Berlin e.V.