Ungerechtigkeit heute - wie wir einen Unterschied machen können

Monatliches Allianzgebet für Oktober 2018

Kennen Sie diese Sehnsucht? Diese Sehnsucht, einen Unterschied auf dieser Welt zu bewirken? Nicht nur um das Hier und Jetzt im Alltag zu kreisen, sondern nachhaltig etwas zu verändern? 

Immer wieder kommt das in mir hoch; vor allem dann, wenn ich die großen Nöte von Menschen überall auf dieser Erde sehe. Besonders trifft mich, dass es heutzutage über 40 Millionen Menschen gibt, die in Sklaverei festgehalten werden. Mädchen wie Jyoti, die als 14-Jährige in Indien in einem Bordell gefangen gehalten wird; Jungen wie Foli, der als 8-Jähriger in Ghana in der Fischerei versklavt ist. Menschlich betrachtet haben beide keine Chance auf eine gesunde, unbeschwerte Kindheit und ein Leben in Freiheit. 

In der Bibel lese ich von den biblischen Helden, mit denen Gott Großes bewegt hat. Manchmal frage ich mich: Warum hat Gott sie auserwählt? Warum nicht mich? Warum durfte Mose an der Befreiung des Volkes Israels aus Ägypten beteiligt zu sein? Vermutlich lag es nicht an seinen rhetorischen Fähigkeiten, er soll gestottert haben. Entscheidend war, dass Mose bereits gezeigt hatte, dass ihm das Schicksal der Menschen und Ungerechtigkeit in seinem Volk nicht gleichgültig sind. 

Mose ist am Hof des Pharaos aufgewachsen. Von seiner Zeit dort erfahren wir so gut wie nichts bis auf eine Begebenheit: 

„Zu der Zeit als Mose groß geworden war, ging er hinaus zu seinen Brüdern und sah ihren Sklavendienst – und nahm wahr, dass ein Ägypter einen seiner hebräischen Brüder schlug. Da schaute er sich nach allen Seiten um, und als er sah, dass kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sande“ (2. Mose 2,11). 

Mose „ sah“ hin, er „nahm wahr“. Es lässt ihn nicht kalt, dass hier ein Bruder, ein Mensch, so unmenschlich behandelt wurde. Es ist unerträglich für ihn, dass Ebenbilder Gottes wie der letzte Dreck behandelt werden. Und dann hat er gehandelt. Was er getan hat, war nicht richtig. Selbstjustiz ist falsch. Er musste daraufhin fliehen und wurde zum Schafhirten. Am brennenden Dornbusch sucht Gott Mose auf. Er führt Mose die Situation vor Augen, die ihn schon das erste Mal zum Handeln veranlasst hat: Nämlich, dass seine Brüder unterdrückt und ausgebeutet werden. 

Ich bin überzeugt, dass Gott nach wie vor auf der Suche nach Menschen ist, die bei Ungerechtigkeiten „hinsehen“. Menschen, die Schicksale wie die von Jyoti oder Foli „wahrnehmen“ – und nicht abgestumpft sagen: So ist die Welt halt! Das ist der erste Schritt auf dem Weg einen Unterschied in dieser Welt zu machen. 

Der Zweite ist es, dass „ihr“ Problem zu „unserem“ Problem wird und wir damit vor Gott kommen. Dabei geht es nicht darum, Gott über das Unrecht zu informieren, sondern vielmehr uns mit seinem Herzschlag für Gerechtigkeit eins zu machen. Auf dass uns zunehmend wichtig wird, was auch ihm schon längst wichtig ist. 

Daraus erwächst der dritte Schritt: Dass wir uns von Gott senden lassen. Sei es durch unser Engagement, indem wir andere informieren und politisch unsere Stimme erheben, durch unsere Finanzen oder ganz praktisch dort, wo auch immer wir auf Unrecht treffen. 

Weiterführende Bibelstellen: Psalm 11,7; Jesaja 58, 8-12 

Daniel Rentschler, Leiter der Gemeinde- und Bildungsarbeit von International Justice Mission (IJM) Deutschland 

IJM ist eine christliche Menschenrechtsorganisation, die sich weltweit für die Rechte armer Menschen einsetzt, die massive Gewalt erleben. Ein Schwerpunkt liegt auf der Bekämpfung von Sklaverei und Menschenhandel: www. ijm-deutschland.de

Zur Vorbereitung und Gestaltung

  • Informieren Sie sich weiter über das Thema Sklaverei, um konkreter beten zu können: www.ijm-deutschland.de oder www.slaveryfootprint.org
  • Beten Sie für aktuelle Anliegen von Menschen, die Sklaverei und andere Formen von Unrecht erleben oder erlebt haben und für diejenigen, die ihnen helfend zur Seite stehen. Tragen Sie sich hier in den monatlichen Gebetsverteiler ein: www.ijm-deutschland.de/s/beten
  • Veranstalten Sie als Gemeinde einen speziellen Gottesdienst zum Thema Gerechtigkeit. Predigten und weitere Materialien finden Sie im Rahmen des "Sonntags für Freiheit" unter www.ijm-deutschland.de/s/sonntag-fuer-freiheit

Gebetsanliegen

1.

Danke Gott, dass dir das Leid deiner Ebenbilder nicht egal ist, sondern dass du sie siehst und ihre Not wahrnimmst und lindern möchtest;

2.

Danke Gott, dass du versprochen hast, dass du deinen Segen auf unseren Einsatz für die Armen legen wirst und wir dir dort auf besondere Weise begegnen können (Mt.25).

Bitte vergib Gott,

1.

dass wir so oft uns selbst die Nächsten sind und dabei die vergessen,
die unsere Hilfe brauchen;

2.

dass wir unsere Nachfolge oft auf geistliche Übungen begrenzt haben und deinen Willen für unsere Erde aus dem Blick verloren haben.

Wir bitten,

1.

dass Du uns mehr und mehr deinen Blick für die Nöte dieser Welt schenkst;

2.

dass du denen besonders nahe bist, die gerade in Not und Verzweiflung sind, weil sie ausgebeutet, unterdrückt und versklavt werden;

3.

dass Du den Menschen beistehst, die ihr Leben dafür einsetzen, dass Unterdrückte befreit werden können;

4.

dass dein Wille auf dieser Welt geschieht: Wie im Himmel so auf Erden. Zeig uns, wie wir Teil davon werden können!