Wer, wenn nicht wir? Gemeinde und Flüchtlinge

Monatliches Allianzgebet für Dezember 2016

Nachdem die Sterndeuter fortgezogen waren, erschien ein Engel Gottes Josef im Traum und befahl ihm: „Steh schnell auf, und flieh mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten! Bleibt so lange dort, bis ich euch zurückrufe, denn Herodes sucht das Kind und will es umbringen.“ Da brach Josef noch in der Nacht mit Maria und dem Kind nach Ägypten auf. Dort blieben sie bis zum Tod von Herodes. So erfüllte sich, was der Herr durch seinen Propheten angekündigt hatte: „Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen.“ 

Matthäus 2, 13-15

Jesus war ein Flüchtlingskind. Der biblische Text sagt uns nicht viel über die mehrtägige Reise mit einem Neugeborenen nach Ägypten oder darüber, wie Jesus, Maria und Joseph bei ihrer Ankunft aufgenommen wurden. Wahrscheinlich hatten ein paar Leute Mitleid und nahmen sie auf, während andere kritisch waren und mit Ablehnung reagierten. Wurden sie willkommen geheißen oder wurden sie schikaniert? Hatten die ansässigen Zimmerleute Angst, dass Joseph die Preise verderben würde? Wurde Jesus verdächtigt, eine ansteckende Krankheit mitzubringen? Darüber können wir nur spekulieren. Klar ist aber, dass die 65 Millionen Flüchtlinge auf der Welt heute in Jesus einen Fürsprecher haben. Er kennt ihre Nöte und nimmt sich ihrer an. Er war nicht nur ein Flüchtling, sondern er lehrt auch an vielen Stellen seine Jünger, wie sie miteinander, dem Anderen und auch mit dem Geflüchteten umgehen sollen. Als Jesus von einem Schriftgelehrten nach dem wichtigsten Gebot gefragt wird, antwortet Jesus: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«. (Lukas 10, 27)

Hätte er es dabei belassen, wären die meisten von uns wohl versucht, einen möglichst engen Kreis von Menschen als unsern „Nächsten“ zu definieren, um unsere Verantwortung überschaubar zu halten. Aber der Schriftgelehrte fragt nach: „Wer ist denn mein Nächster?“

Jesus antwortet mit der Geschichte von einem Mann, der von Räubern verprügelt und ausgeraubt im Straßengraben liegt. Die religiösen Führer dieser Tage, ein Priester und ein Levit, gehen auf der anderen Straßenseite an ihm vorbei. Sie sind wichtige Leute und haben wahrscheinlich wichtige Verabredungen. Aber der Samariter hält an und kümmert sich um den Mann. Es ist bemerkenswert, dass Jesus einen Samariter zum Helden seiner Geschichte macht. Für jüdische Zuhörer war ein Samariter kein „Guter“. Er war ein Ausländer (Lukas 17, 18) und Andersgläubiger, den man mied. Und so einen bietet Jesus dem Schriftgelehrten als Vorbild für Nächstenliebe an. Der Samariter erbarmt sich eines Fremden in Not, unabhängig von Kosten und Risiken. Jesu Antwort macht klar, dass unser „Nächster“ jeder sein kann, der unsere Hilfe braucht – nicht nur Menschen aus unserer Familie, Nachbarschaft, Glaubensgemeinschaft oder Nation. Und Jesus fordert den Schriftgelehrten und uns auf, es ihm gleich zu tun (Lukas 10, 37).

Zur Gestaltung

  • Veränderung fängt bei uns persönlich an! Lasse ich mein Denken über Geflüchtete von der Bibel bestimmen oder von Medien und Politik? Habe ich Berührungsängste? Kann ich Gottes Herz für den Flüchtling teilen?
  • Lesen Sie eine oder mehrere Stellen aus der Bibel (2. Mose 23, 1-9; 5. Mose 10,17ff; Jesaja 58,1-12; Sacharja 7,7-14; Matthäus 25, 35 + 40), die uns Gottes Herz für die Flüchtlinge nahe bringen. Tauschen Sie sich darüber aus.
  • Suchen Sie Kontakt zu Leitern von Flüchtlingsprojekten. Laden Sie Geflüchtete ein, und hören Sie ihre Geschichten. Besuchen Sie Migrationskirchen – gemeinsames Gebet verbindet! Persönliche Geschichten von Menschen auf der Flucht und wie sich auch Gemeinden konkret einsetzen finden Sie auf www.worldrelief.de.
  • Lesen Sie Psalm 23 vor und halten Sie nach jedem Vers inne. Was bedeutet dieser Vers für uns hier, für Menschen auf der Flucht und für Flüchtlingshelfer? Bringen Sie Ihre Gedanken zu jedem Vers laut oder leise vor Gott.

Lob und Dank

1.

Wir dürfen in einem Land leben, in dem Frieden, Freiheit und Wohlstand vorherrschen.

2.

Viele Menschen setzen sich für Flüchtlinge ein und begegnen ihnen in der Liebe Jesu.

Buße

1.

wo wir unsere Haltung gegenüber Geflüchteten von politischen, wirtschaftlichen und religiösen Bedenken bestimmen lassen und nicht vom Wort Gottes

2.

wo wir wegsehen und schweigen, obwohl wir uns einsetzen müssten

3.

wo Deutschland als drittgrößter Waffenlieferant der Welt Mitverantwortung für Fluchtursachen (nicht nur) im Nahen Osten trägt

Bitte

1

für alle, die auf der Flucht sind vor Verfolgung und Not

2.

für die Gemeinden und Werke im Nahen Osten, die sich vor Ort für Geflüchtete einsetzen

3.

für Durchhaltevermögen der Christen im Nahen Osten

4.

für gute politische Entscheidungen in Außenpolitik (Wirtschaft, Waffenexporte u.a.) und Innenpolitik (Soziale Gerechtigkeit, Integration u.a.)

5.

für Mut, unseren neuen Nachbarn in der Liebe Jesu mit Wort und Tat zu begegnen

Lieder zum Mitsingen

  • Herz und Herz vereint zusammen EG 251
  • Gott hört dein Gebet (Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht)
  • Nehmt einander an