Wenn ein Glied leidet...

November 2026

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Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.

1. Korinther 12,26

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Am 1. November 2026 begehen Christen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie an vielen anderen Orten auf der Welt den Gebetstag für verfolgte Christen. Er erinnert uns daran: Die Gemeinde Jesu reicht weit über unsere eigene Kirche, unser Land und unseren Erfahrungshorizont hinaus. Wo Christen bedrängt werden, leidet nicht irgendeine entfernte Gruppe. Es leiden alle Glieder des einen Leibes Christi. 

In diesem Jahr richtet sich der Blick besonders auf Syrien, Nigeria und Zentralasien. Die Situationen sind verschieden: In Nigeria bedrohen Gewalt, Terror und Vertreibung zahlreiche christliche Gemeinschaften. In Syrien kämpfen Gemeinden nach Krieg, Zerstörung und politischen Umbrüchen um ihre Zukunft. In mehreren Staaten Zentralasiens erleben Christen staatliche Kontrolle, Überwachung und Einschränkungen ihrer Religionsfreiheit. 

Wie können wir für sie beten? Die Bibel zeigt uns drei Wege. 

1. Beten heißt, sich an die Seite der Leidenden zu stellen 

„Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt“, heißt es in Hebräer 13,3. Biblische Fürbitte betrachtet das Leiden anderer nicht aus sicherer Entfernung. Sie lässt uns innerlich an ihre Seite treten. 

Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Leib. Deshalb kann uns das Leiden unserer Geschwister nicht gleichgültig bleiben. Wir bringen ihre Angst, ihre Verluste und ihre Hoffnungen vor Gott. Wir nennen Länder und, wo möglich, auch Namen. Wir bitten um Schutz für bedrohte Familien, Trost für Trauernde, Freiheit für Gefangene und offene Türen für Gemeinden. 

Dabei dürfen wir darauf vertrauen: Gott kennt jeden Menschen, den wir ihm im Gebet anbefehlen. Kein Gefängnis, kein abgelegenes Dorf und kein verborgenes Hausgebet liegt außerhalb seiner Gegenwart. 

2. Beten heißt, um Standhaftigkeit und Freimut zu bitten 

Als die erste Gemeinde bedroht wurde, betete sie: „Herr, sieh an ihr Drohen und gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort“ (Apostelgeschichte 4,29). Die Christen baten nicht nur darum, dass die Gefahr verschwinden möge. Sie baten um Mut, Christus auch in der Bedrängnis treu zu bleiben. 

Auch wir dürfen um ein Ende von Gewalt, Verfolgung und Unterdrückung bitten. Zugleich beten wir dafür, dass bedrängte Christen nicht verzweifeln, dass Gemeinden zusammenhalten und dass Gott ihnen Weisheit, Kraft und Hoffnung schenkt. 

Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33). Verfolgung ist niemals gut. Sie ist Unrecht und verletzt die von Gott verliehene Würde des Menschen. Doch sie hat nicht das letzte Wort. Christus bleibt bei seiner Gemeinde. 

3. Beten heißt, für Recht und Freiheit einzutreten 

Paulus fordert dazu auf, für „Könige und alle, die in hoher Stellung sind“, zu beten, damit Menschen ein friedliches Leben führen können (1. Timotheus 2,1–2). Darum beten wir auch für Regierende, Behörden, Gerichte und Sicherheitskräfte. 

Wir bitten Gott, dass Verantwortliche Gewalt eindämmen, Schuldige zur Rechenschaft ziehen und die Religionsfreiheit aller Menschen schützen. Denn Religionsfreiheit ist kein Vorrecht der Christen. Sie wurzelt in der gottgegebenen Würde jedes Menschen, der seinen Glauben frei wählen, wechseln, bekennen und leben können soll. 

Unser Gebet führt deshalb zur Verantwortung: Wir informieren uns, erheben unsere Stimme und stehen unseren bedrängten Geschwistern praktisch bei. So wird aus einem einzelnen Gebetstag eine Haltung der Verbundenheit, die uns durch das ganze Jahr begleitet. 

Vorbereitung und Gestaltung

  • Stellen Sie im Gottesdienst eines der Schwerpunktländer Syrien, Nigeria oder die Region Zentralasien vor.
  • Lesen Sie ein Zeugnis eines betroffenen Christen und verbinden Sie es mit einem passenden Bibelwort.
  • Bilden Sie drei Gebetsgruppen, die jeweils für eine der Schwerpunktregionen beten.
  • Legen Sie eine Weltkarte aus und markieren Sie die Länder, für die gebetet wird.

Gebetsanliegen

Wir beten

  • für Schutz, Hoffnung und Zukunft der christlichen Gemeinden in Syrien; 
  • für die Opfer von Gewalt, Terror und Vertreibung in Nigeria;
  • für Christen in Zentralasien, die überwacht oder in ihrer Glaubensausübung eingeschränkt werden;
  • für Mut, Standhaftigkeit und Freimut aller bedrängten Christen;
  • für Regierende, dass sie Gewalt bekämpfen und Religionsfreiheit schützen;
  • für uns selbst, dass wir nicht vergessen, sondern beten, reden und handeln.

Lieder

  • Bis ans Ende der Welt
  • In Christus ist mein ganzer Halt / In Christ Alone
  • Wenn es je an der Zeit war

Matthias Böhning

Leiter des Arbeitskreises Religionsfreiheit – Menschenrechte – Verfolgte Christen (AKREF) der Evangelischen Allianz in Deutschland und Secretary General der International Society for Human Rights (ISHR)